Die Stadt Wien und ihr Wein
Auf die alten Römer ist Verlass. Als die Soldaten des Imperiums im 1.
Jahrhundert einen guten Platz für eine Grenzfestung an der Donau
suchten, da fiel ihre Wahl auf das keltische Dörfchen Vindobona. Denn
hier gab es gepflegte Weingärten und Rebhänge, deren begünstigte Lage
den Besatzern aus dem Süden sofort ins Auge stach. Der Weinbau im
Bereich des heutigen Wien war schon zu dieser Zeit alles andere als neu:
Archäologische Funde beweisen, dass am Nußberg, Kahlenberg und
Bisamberg seit 750 v. Chr. Wein angebaut wurde. Die Römer brachten
allerdings ihre Kulturreben mit und weiteten den Weinbau systematisch
aus.
Ab dem 12. Jahrhundert finden sich schriftliche Dokumente über
Weingärten und ihre Eigentümer – ein Zeichen für die Bedeutung der
Weinkultur, die während des ganzen Mittelalters in Blüte stand. Größere
Rückschläge erlebte der Weinbau während der beiden Türkenbelagerungen
1529 und 1683. Das Land außerhalb der Stadtmauern wurde durch das osmanische Heer verwüstet und auch der Dreißjährige Krieg hinterließ seine Spuren.
Der Wiener Wein erobert Wien
Das rasante urbane Wachstum Wiens drängte den Weinbau ab dem beginnenden
20. Jahrhundert an den Stadtrand. Dort allerdings konnte er seinen
Platz behaupten. Heute stehen 678 Hektar unter Reben, wobei sich der
moderne Wiener Weinbau im Wesentlichen auf die Regionen
Nußberg/Kahlenberg, Bisamberg und Maurerberg konzentriert.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sah es eine Zeitlang so aus,
als würde durch den überwältigenden Erfolg des Heurigen die Weinkultur
unter die Räder kommen. Allzu sehr war das Bild vom Wiener Wein durch
Betriebe, die vornehmlich „G’spritzten“ servierten geprägt. Die
Top-Qualität des Weines aus Wien ist vergleichsweise jungen Datums. Umso
heftiger machen heute Spitzengewächse aus der Donaumetropole von sich
reden.
Paradoxerweise zunächst im Ausland, denn die Wiener selbst
identifizierten ihren Wein so sehr mit den gemütlichen Buschenschänken,
dass selbst Spitzenweine aus der Hauptstadt lange Zeit kaum auf den
Karten der Wiener Restaurants zu finden waren. „Wenn’s einen Wiener Wein
trinken wollen, müssen’s zum Heurigen gehen“, war ein Rat, den viele
Sommeliers ihren Gästen gaben.
Heute ist der Wein aus Wien dabei, endlich auch die eigene Stadt zu
erobern. Das Angebot hat sich ausdifferenziert: Der Heurige bleibt
weiterhin ein originäres Aushängeschild der Stadt, daneben finden
Weinliebhaber Gewächse, die mittlerweile zu den besten des Landes
gehören und international gefragt sind, wie nie. Weine die geprägt sind
von ihren Böden, die im Norden der Stadt völlig anders sind als im Süden
und die von dem Kleinklima, hervorgerufen durch den großen Donaufluss,
ganz besonders profitieren.
